Therapeutisches Schreiben… how to survive the Forschungspraktikum

meine persönlichen, ganz subjektiven Impressionen in Sachen „Virtuelle Gruppenarbeit im Forschungspraktikum“ – von der Seele geschrieben zur Entlastung derselbigen, zur Vermeidung weiterer Einschlafschwierigkeiten und seltsamer Träume…

  1. Wer viel macht, macht sich vor allem verdächtig, sonst nix zu tun zu haben.
    Empfehlung:
    Halte die Gruppe über deine beruflichen und privaten Verpflichtungen auf dem Laufenden und poste möglichst nachts zwischen 2 und 5 Uhr, damit die spätabendlichen / nächtlichen Aktivitäten für die Arbeitsgruppe auch richtig eingeordnet werden können.
  2. Wer viel macht, nervt total, lässt Wenig- und Nixmacher unangenehm unengagiert aussehen – und hat diese vermutlich auch schon beim Gruppenbetreuer angeschissen.
    Empfehlung:
    Mach lieber wenig und bleib unauffällig!
  3. Die Einhaltung von Terminen liegt grundsätzlich in der Verantwortung eines anderen. Da es in einer Gruppe von 16 (!) Leuten für jedes einzelne Gruppenmitglied etwa 15 „andere“ gibt, werden immer wieder Abgabetermine fast bis komplett verpasst.
    Empfehlung:
    Sei dir selbst der andere!
  4. Wer nichts macht, geht vermutlich davon aus, der einzige zu sein, der nichts macht. Kann heißen: Während einer unter Hochdruck arbeitet, bestätigen die anderen sich gegenseitig (und möglichst auch dem Betreuer), wie toll Zusammenarbeit und Kommunikation funktionieren.
    Empfehlung:
    Ordne dieses seltsame Phänomen unter „Verantwortungsdiffusion“ ein – eine gewisse Meta-Perspektive macht gruppendynamische Abläufe etwas erträglicher.
  5. Nichts-Macher sind toll – sie stören niemanden und ihre „Falls-der-Betreuer-Postings-zählt“-Kommentare können sehr unterhaltsam sein. Mein Favorit: „Ich beobachte und staune still.“ … dicht gefolgt von „Ich komme gerade aus dem Urlaub zurück. Ihr habt toll gearbeitet!“
    Empfehlung:
    Konsequent egoistisch bleiben: „Es ist mir egal, wer dieses Praktikum besteht – hauptsache, ich bestehe es!“
  6. Wer wenig macht, macht dies mit deutlichem Engagement, auffällig vielen Nachfragen beim Betreuer und etwa 5 Skype-Sitzungen an einem speziellen Wochenende.
    Empfehlung:
    Verstumme ehrfürchtig, drücke allenfalls täglich deine Bewunderung für so viel selbstaufopfernde Hingabe aus – und störe ansonsten die Selbstdarsteller in diesem Engagement-Theater lieber nicht (die werden sonst ziemlich giftig).
  7. Die Verwendung einer Coverstory birgt die Gefahr in sich, dass sich der eine oder andere Mitarbeiter in der Story verliert und „under Cover“ weiterforscht.
    Empfehlung:
    Nicht drauf ansprechen, einfach abhaken…
  8. Aussagen wie „Ich gucke morgen mal nach der Analyse… dem Poster… dem Bericht“ sind Dekoration.
    Empfehlung:
    Häufen sich solche Formulierungen, guckst du besser selbst und tatsächlich nach den anfallenden Arbeiten… rechne aber damit, dass die „Morgen-mal-Gucker“angepisst sind, wenn ihnen klar wird, dass ihr Deko-Gerede aufgefallen ist.
  9. Wenn es um irgendwelche von irgendwem gemachte Fehler geht, sind sachdienlichen Hinweise ungewollte Ratschläge eines arroganten Besserwissers.
    Empfehlung:
    Formuliere deine Kritik auch unter Zeitdruck immer einfühlsam und verständnisvoll im Spielschultanten-Stil.
  10. Die verblüffende Logik hinter der Aussage „Das kann ich nicht, deshalb mach ich´s nicht“ befreit die entsprechenden Teilnehmer ganz klar von jeglicher Auseinandersetzung mit SPSS oder irgendwelchen Tabellenkalkulationen.
    Empfehlung:
    Freu dich einfach, dass umso mehr Gelegenheiten zur Sammlung von SPSS-Erfahrungen für dich übrigbleiben!

Damit bin ich bis zwei Tage vor Berichtsabgabe ganz gut gefahren – wenn man von den Kopfschmerzen absieht, die seit einigen Wochen ziemlich zuverlässig sofort dann auftreten, wenn ich auch nur an die Arbeitsgruppe denke…
Bevor ich jetzt komplett die Contenance verliere und entgegen meiner guten Vorsätze doch noch kurz vor endgültigem Praktikumsschluss Krach im Arbeitsgruppenforum anfange, hab ich beschlossen, ab heute weder einen Blick in dieses Forum noch in den Bericht mehr zu werfen. Nervensparmaßnahme.

Die wirklich engagierten Mitarbeiter mögen mir meine Arroganz in den letzten Tagen verzeihen – ohne diese innere Distanz wär ich am Praktikum mit mehr als gelegentlichen Kopfschmerzen verzweifelt… und die Souveränität, mit der ich eigentlich über dem ganzen Gruppenkram stehen wollte, hat nur bis etwa zur Posterphase gereicht.

Die anderen „Mitarbeiter“ können mich dementsprechend mal…

(Interessieren würd mich ja noch, wer sich jetzt selbst welcher „Mitarbeiterkategorie“ zuordnet… )

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14 responses to “Therapeutisches Schreiben… how to survive the Forschungspraktikum

  • Antje

    Hallo Evi,

    super Therapie 🙂 Du hast die Gruppendynamik echt gut auf den Punkt gebracht, wobei es jetzt sicher wieder eine Menge Leute geben wird, die sich davon angepisst fühlen- sowohl davon, dass Du´s geschrieben hast, als auch, dass ich Dir zustimme 🙂
    (Wahrscheinlich verschwören wir uns… hihi)

    Also ich für meinen Teil habe echt gerne mit Dir gearbeitet! 🙂 Ohne Dich wäre ich bestimmt auch noch mehr verzweifelt, als ich es so schon bin…

    Freu Dich, bald ist es geschafft! Ich drücke Dir die Daumen, dass Deine Kopfschmerzen dann verschwinden.

    Liebe Grüße,
    Antje

  • Antje

    Hab ich ganz vergessen: ich finde, der „schönste“ Kommentar war „Also, ich finde die Posterfarbe zu knallig!“ (Ende der Durchsage, mehr kam von derjenigen nicht…)

  • Die Ergebnisse der Studie “Kunst ist Geschmackssache…”

    […] Details muss ich euch leider vorenthalten… hab stattdessen einen Artikel zu Impressionen aus dem betreffenden Forschungspraktikum […]

  • hanny

    Evi, ich liebe Deine Art zu schreiben :o)))

    *verneig*
    Hannes

  • S. Korn

    “Ist Benehmen Glücksache?”
    oder …”Besser geht´s nicht” (As god as it gets)

    Hallo Evi,
    durch den Link auf dem BeaBea block habe ich mich gestern hierher verirrt und diese Seite gefunden.
    Was soll ich dazu sagen:
    Wie immer wäre Contenance wahrlich der Weg gewesen, um die eigene Distinguiertheit zu wahren, sowohl deine als auch meine: Aber unwidersprochen lasse ich die hier im Text von dir geäußerten

    · Diffamierungen der Motive und Handlungen anderer,
    · Verdächtigungen,
    · Unterstellungen & Tatsachenverdrehungen,
    · persönlichen Angriffe
    · und die Missachtung der Arbeit anderer Gruppenteilnehmer

    so nicht stehen.

    Humor ist keine Entschuldigung für schlechten Stil, daher liegt es mir fern, dieser seltsamen “Liste” zusätzliche Punkte hinzuzufügen, aber als Autor stände es dir gut zu Gesicht, vielleicht auch dein Gruppenverhalten selbstkritisch zu hinterfragen.

    Es steht dir frei, mich per E-mail zu kontaktieren, falls du nähere Erläuterungen möchtest …

    vivi,
    die durchaus feine Ironie schätzt, aber menschenverachtenden Zynismus nicht zu tolerieren bereit ist.

  • Dirk

    Was wohl der RosaKakadu dazu meint?

  • zehra

    Hallo Evi,

    ich schließe mich in allen Punkten Vivis Kommentar an.

    Zehra,
    die vieles toleriert, nur Ungerechtigkeit nicht.

  • Bine

    Hallo Evi,

    ich war nicht in Deiner Gruppe, aber alles was Du schreibst, klingt sooo vertraut :).

    Ich habe mich immer besonders für die Kommentare begeistert. „Schön, dass Ihr so fleißig wart“ oder „…finde ich auch ganz toll“.

    Manchmal müssen sogar Kinder im Teenageralter als Ausrede herhalten, wenn man keine Lust hat, an Veranstaltungen teilzunehmen. Da wäre mir ein offenes „ich habe keine Lust oder etwas Besseres vor“ sehr viel lieber oder man sagt einfach gar nichts.

    Gelernt habe ich in diesem Modul sehr viel, vor allem über das zwischenmenschliche Miteinander im virtuellen Raum.

    Liebe Grüße

  • beabea

    …hihi, war auch nicht in deiner gruppe, aber mir geht’s wie bine: das klingt alles so vertraut, uhuhuhuuu, das geht dir so nicht alleine, oh nein…ähm, dazu jetzt bitte den entsprechenden prinzen-song summen, kicher…das gute am praktikum ist: es geht vorbei…und die geburtswehen sind bald wieder vergessen… 😉

    liebe grüße
    bea

  • Hilde

    Hallo Evi,
    ich bin gerade zufällig auf deinen Blog gestoßen und – auch wenn ich M6 erst in 2 Semestern belegen werde – du hast meine sicherlich realistischen Befürchtungen klar benannt. Solche Situationen sind mir bestens vertraut. Schade, dass gerade die hoch Motivierten immer auch die Dummen sind.
    Ein Kompliment und Danke an dich und deine strukturierten, tollen Zusammenfassungen, deinen Einsatz und deine Bereitschaft zur Teilhabe.

    liebe Grüße
    Hilde

  • Psychologiestudentin

    Hui! „Menschenverachtenden Zynismus“? Modul 4 wohl nicht ganz verstanden… 😀

    An Vivi, Zehra und alle die es jetzt noch interessiert:

    Ich kenne alle Punkte, und wie Bine und Bea. Sicher war ich im Praktikum auch nicht in allen Punkten gleich fleissig, und ja, ich habe auch vom Wissen anderer profitiert. Aber (!) ich habe versucht meine Stärken einzubringen und an meinen Schwächen zu arbeiten. Ich habe versucht die Dynamik anzukurbeln und habe meine Hilfe an alle angeboten, die keine Zeit, keine Ahnung oder keine Lust zu haben schienen.
    Im Nachhinein muss ich sagen, dass sich viele haben mitschleifen lassen. Und selbst wenn unser Poster ausgezeichnet wurde, war der Prozess von der Entstehung bis zur Abgabe extrem mühsam. Mir hat es nur eines bestätigt: Macht man seine Arbeit gut, bekommt man immer mehr davon, andere schmücken sich mit fremden Federn und mit zu unrecht eingeforderten Lorbeeren.

    In unserer Gruppe hat damals eine Minigruppe im Alleingang angefangen, den ersten „Meilenstein“ zu erledigen, weil keiner die Initiative ergriff. Als ich nachgefragt habe, stand ich da, wie der grösste Depp, als hätte ich mich (und andere auch) vor der Arbeit gedrückt. Dabei hätte die betreffende Person, die im Alleingang die erste Teilaufgabe erledigt hat, einfach mal z.B. schreiben sollen: „Hey, wie seht ihr das, wollen wir das so und so aufteilen?“

    Dann gab es auch solche, die einfach nie Zeit hatten, weil sie beruflich ach so eingespannt waren. Sicherlich habe auch ich mal die eine oder andere Skype-Sitzung wegen meines Jobs verpasst, aber chronisches Fernbleiben ist eine andere Sache!

    Der faulste Ausdruck war „Wenn es was zu tun gibt, sagt mir einfach bescheid!!!“

    Die Krankheiten dieses Praktikums sind: Verantwortungsdiffusion, Gleichgültigkeit, Trittbrettfahrerei. Keiner will durchfallen, deswegen machen die die was machen, auch mehr, damit sie selbst sicher bestehen. Die die wenig oder nichts machen, hoffen einfach, dass sich die anderen nicht als „Denunzianten“ betätigen.
    Traurig ist dabei die Tatsache, dass von den Tutoren bei Trittbrettfahrerei scheinbar nicht eingegriffen wird. Noch trauriger ist die Tatsache, dass es wir hier vom Umgang erwachsener Menschen miteinander reden. Und am traurigsten bzw. am bedenklichsten, dass es sich um angehende Psychologinnen bzw. Psychologen handelt.

    Also Vivi und Zehra: Gruppendynamik wurde in Modul 4 thematisiert. Lest da doch mal nach. Im Übrigen dient Zynismus der Mentalhygiene: Frust sollte man sich von der Seele schreiben, singen, … Und zuletzt: Was bei Evis Post „menschenverachtend“ gewesen sein soll, verstehe ich nicht.

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